Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Der blanke Horror 15.02.2016
Lebende Leichen, sich windende Tentakelmonster, Tausende krabbelnder Insekten: Was Leser als gruselig empfinden, ist oft eine sehr persönliche Frage. Die Bücher dazu sind nicht nur haarsträubend, sondern deutlich besser als ihr Ruf.

"Habt Ihr auch Horror?!" fragen Kinder mit leuchtenden Augen und zeigen damit Interesse an Büchern, die ihre Eltern oft nicht gutheißen. Doch Horrorbücher haben durchaus Qualitäten: Mo O’Haras achtbändige "Zombie-Goldfisch"-Reihe (Egmont Schneiderbuch) etwa begeistert reihenweise Kinder, die sonst eher wenig Interesse an Büchern haben – und das liegt nicht nur an den hypnotischen Augen des glitschigen Protagonisten, die auf dem Cover sogar im Dunkeln leuchten, sondern an der schräg-witzigen Geschichte, die dahintersteckt. Verboten gut!


R.?L. Stine schreibt mit "Fear Street" (Loewe), "Gänsehaut" (Cbj) und diversen anderen Reihen seit Jahren meterweise erfolgreiche Gruselbücher. 2015 bevölkerten seine Helden einen amerikanischen Horrorfilm für Jugendliche, der am ersten Wochenende über 23 Millionen US-Dollar einspielte. Im Frühjahr kommt "Gänsehaut" in die deutschen Kinos – was den Verkauf der Bücher noch einmal deutlich beflügeln dürfte. "Gänsehaut" und "Fear Street" sind verlässliche Longseller und machen Lust auf mehr.

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Wen der Aspekt der Leseförderung allein nicht überzeugt, dem sei versichert, dass sich Horror und Qualität nicht zwangsweise ausschließen. Kenneth Oppels aktueller Roman "Das Nest" (Dressler, 218 S., 12,99 Euro, ab 10) ist das allerbeste Beispiel dafür: Zielgruppenübergreifend wird darin die verstörende Geschichte von Steve erzählt, der darunter leidet, dass sein Bruder nicht gesund zur Welt gekommen ist. Als Steve im Traum Besuch von hellen, geflügelten Wesen erhält, die ihm einen Weg eröffnen, wie die ganze Familie wieder unbeschwert leben kann, glaubt er zunächst an Engel. Erst mit der Zeit wird ihm klar, dass er träumend wohl die Angst vor den Wespen verarbeitet, die unter dem Dach ein größeres Nest bauen. Steve glaubt nicht wirklich, dass die im Traum getroffenen Vereinbarungen eine Auswirkung auf die Realität haben können. Doch dann kommen die Wespen zu Tausenden und fordern ihren Lohn. "Das Nest" ist psychologisch grandios gemacht und eine literarisch anspruchsvolle, feinst gewobene Horrorgeschichte, die nicht nur Elfjährige, sondern zweifellos auch Erwachsene begeistern wird.


Ganz anders funktioniert die aus Island stammende Reihe "Dämmerhöhe" (Arena, ab 12), deren Titel von Januar an in dreimonatigem Abstand auf den Markt kommen werden und immer andere Figuren aus der stets gleichen, düsteren Stadt ins Zentrum stellen. Das Autorenduo Marta Hlin Magnadottir und Birgitta Elin Hassell arbeitet im ersten Band mit Urängsten – mit Identitätsverlust, Kontrollverlust, finsteren Erdspalten und einem blutigen, gewaltsamen Tod. Erzählerische Anleihen an das Filmgenre verbinden sich hier mit isländischer Mystik zu einem nervenzerfetzenden Pageturner. Einfach großartig. Leser werden jede neue Fortsetzung mit Spannung erwarten.


Auf diese Form des phantastischen Horrors setzen derzeit auch etliche Manga-Reihen, wie "Corpse Party" und "Ajin" (beide Egmont Manga, ab 16). Besonders "Ajin" überzeugt dabei durch eine gelungene Mischung aus Zombie-Geschichte und der ethisch-philosophischen Fragestellung, was den Menschen letztlich ausmacht – seine Sterblichkeit? Verlieren die Ajin jedes Recht auf Menschlichkeit und Würde, nur weil sie nicht sterben können? Hier geht der Horror nicht ausschließlich von blutigen Sterbeszenen aus, sondern auch von der Kaltblütigkeit der menschlichen Wissenschaftler, die versuchen, hinter das Geheimnis der Unsterblichkeit zu kommen. Absolut überzeugend!


Um Zombies geht es auch in Seth Patricks "The Returned –Die Vergangenheit kehrt zurück" (Loewe, März, 480 S., 14,95 Euro, ab 14), einer Romanfassung der 2012 in Frankreich gedrehten und jetzt in den USA neu verfilmten, gleichnamigen Serie. Patrick hält sich eng an die Vorlage, doch wer die Serie nicht kennt, kann sich dem Sog des Buchs kaum entziehen: In einer Kleinstadt tauchen plötzlich Menschen auf, die bereits vor Jahren verstorben sind, sich daran aber nicht erinnern können. Jetzt versuchen sie, ihr altes Leben wieder aufzunehmen, haben jedoch keinen Platz mehr in der heutigen Welt. "The Returned" ist klassische Zombie-Fiktion, in der man nicht zu sehr nach Logik oder Antworten suchen sollte. Spannend geschrieben und mit sehr vielen offenen Fragen am Schluss.


Mit Anleihen an altbekannte Horrorfilme spielt James Dawson, wenn er seine Protagonisten in einer Halloweennacht ein schauriges Ritual vollziehen lässt, mit dem sie offenbar etwas Böses aus dem Jenseits in ihre Welt rufen. Doch Dawson macht eine runde Geschichte daraus. Urban Legend, Ghost Story und Horrorfilm werden immer wieder zitiert, machen aber "Sag nie ihren Namen" (Carlsen, 336 S., 12,99 Euro, ab 14) zu einem ungemein packend geschriebenen Horrorbuch, das sich nur mit dem Prädikat "haarsträubend" beschreiben lässt.


Horrorbücher und Horrorfilme entwerfen oft übernatürliche Szenarien, doch einige Werke zeigen, dass die Wirklichkeit bisweilen noch viel verstörender ist. Dazu gehören psychotische Störungen und Albtraumbilder, wie sie der Protagonist in Wulf Dorns "Die Nacht gehört den Wölfen" (Cbt, 464 S., 14,99 Euro, ab 14) durchlebt, oder das unbegreifliche Verschwinden verschiedener Freunde und Lehrer, das Eric Berg in seinem neuen Jugendthriller "Kalt" zum Thema macht (Bloomoon, 192 S., 12,99 Euro, ab 14).


Eine Extremsituation spielt auch Kevin Brooks in dem verstörenden Buch "Bunker Diary" durch (Neuauflage bei dtv Junior, 288 S., 8,95 Euro, ab 15). Hier werden sechs vollkommen unterschiedliche Menschen ohne jeg­liche Erklärung in einen Bunker gesperrt, wo sie bald herausfinden, dass sie sich bestimmten Regeln unterwerfen müssen, wenn sie überleben wollen. Wenn es denn ein Überleben gibt ... Brooks lässt seine Leser genauso im Ungewissen wie seine ­Figuren. Er erzählt die Geschichte anhand von Tagebuch­aufzeichnungen des jungen Linus, die sich allmählich verändern, so, wie sich Linus unter dem unerträglichen psychischen Druck verändert. Das ist Horror pur – und absolut nichts für zartbesaitete Leser.


Helen Maslins "Darkmere Summer" (Chicken House, 400 S., 19,99 Euro, ab 14) sollte man ebenfalls tunlichst nicht nach Einbruch der Dunkelheit lesen. Eigentlich will Kate mit Freunden einen unbeschwerten Sommer in einem alten Schloss in Cornwall verbringen. Aber als sie dort angekommen sind, durchlaufen die Gäste eine merkwürdige Wandlung: Es ist, als würde das Haus alles Schlechte in ihnen zum Vorschein bringen. Wenig später findet Kate ein Tagebuch, in dem ein Mädchen vor fast 200 Jahren eine ganz ähnliche Situation beschreibt. Steuern Kate und ihre Freunde unweigerlich auf dasselbe Schicksal zu? Eine echte Gothic Novel, atmosphärisch dicht und so düster geschrieben, dass man hier beim Lesen auch tagsüber lieber das Licht brennen lässt.

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Quelle: Börsenblatt online

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