Der Tod aus der Teekiste
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Karl Dedecius ist tot 01.03.2016
Der Übersetzer und Schriftsteller Karl Dedecius ist am 26. Februar im Alter von 94 Jahren in Frankfurt am Main gestorben, wie das Deutsche Polen-Institut (DPI) mitteilt. 1990 wurde der Kulturvermittler mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Von 1980 bis 1997 war Karl Dedecius Direktor des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt, das sich als Kultureinrichtung innerhalb kurzer Zeit ein hohes Renommee in Deutschland und Polen erwarb. Dedecius, "der unermüdliche Kulturvermittler zwischen Deutschen und Polen, arbeitete bis zuletzt an einem Bildband, der ein Resümee seines bewegten Lebens und Kulturschaffens ziehen sollte", schreibt das Institut. Der Autor hat mehr als 3.000 Gedichte geschrieben, veröffentlichte regelmäßig polnische Lyrik in deutschen Verlagen, verfasste Essays zur polnischen Literatur und Geistesgeschichte, pflegte Freundschaften mit polnischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Von Darmstadt aus gab er die 50-bändige "Polnische Bibliothek" heraus, ebenso wie das siebenbändige "Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts". Zudem organisierte er Stipendien für polnische Intellektuelle und Studienreisen für Journalisten, Übersetzer und Verleger aus dem Nachbarland. Nach dem politischen Umbruch in Polen 1989/90 zeigte er sich offen für eine Erweiterung des Profils des Instituts.


Karl Dedecius wurde am 20. Mai 1921 als Sohn deutscher Eltern in der polnischen Industriestadt Lodz (?ódz) geboren. Nach Kriegsdienst in der Wehrmacht (u.a. bei Stalingrad) und sowjetischer Gefangenschaft kam er 1952 über eine Zwischenstation in Weimar nach Westdeutschland, wo er in einer Versicherungsgesellschaft tätig war. Erst nach Feierabend konnte er sich seiner Leidenschaft für die polnische Literatur und ihrer Übersetzung widmen ? 1959 gab er die erste Anthologie "Lektion der Stille". Unermüdlich habe er polnische Schriftsteller wie Zbigniew Herbert, Stanis?aw Jerzy Lec, Czes?aw Mi?osz, Tadeusz Ró?ewicz, Wis?awa Szymborska, Adam Zagajewski und andere ins Deutsche übersetzt, so das Institut.

Für seine Arbeit als Autor und Mittler wurde er mehrfach ausgezeichnet: Unter anderem mit dem Hessischen Kulturpreis, dem Deutschen Nationalpreis, dem Deutsch-Polnischen Preis, dem Bundesverdienstkreuz und dem Orden des Weißen Adlers der Republik Polen. 1990 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Ehrendoktorwürden erhielt er von der Universität Köln (1976), der Katholischen Universität Lublin (1987), der Universität Lodz (1990) und der Universität Krakau (2000). 2011 folgte die Ehrendoktorwürde der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Seit 2003 vergibt die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Polen-Institut den "Karl-Dedecius-Preis für polnische Übersetzer deutscher Literatur und deutsche Übersetzer polnischer Literatur".

Zu den wichtigsten Büchern von Karl Dedecius zählen: "Deutsche und Polen. Botschaft der Bücher" (1971), "Überall ist Polen" (1974), "Polnische Profile" (1975), "Zur Literatur und Kultur Polens" (1981), "Vom Übersetzen" (1986), "Von Polens Poeten" (1988), "Lebenslauf aus Büchern und Blättern" (1990), "Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Panorama. Ein Rundblick" (2000), Polnische Gedichte des 20. Jahrhunderts. Polnisch und Deutsch (2008).

Quelle: Börsenblatt online

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