Burgturm im Nebel
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"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Zeit für Gewinner 17.04.2016
Von CHRISTIANE PETERSEN und TAMARA WEISE

Das Rennen um den Deutschen Buchhandlungspreis 2016 ist eröffnet. Warum es sich lohnt, dabei zu sein.

Dass Buchhändlern der rote Teppich ausgerollt wird, ist nicht gerade alltäglich. Doch die Kulturstaatsministerin meint es ernst: In diesem Jahr vergibt sie den mit einer Million Euro dotierten Deutschen Buchhandlungspreis zum zweiten Mal – und hat offenbar auch schon die ersten Bewerbungen auf dem Tisch. Anfang April, eine Woche nach dem Start des Bewerbungsverfahrens, hätten sich bereits mehr als 100 Buchhandlungen registriert, sagt Alexander Oechsner, der als Referent im Ministerium für den Preis zuständig ist. "Und ja, ganz fleißige Buchhändler gab es auch schon, die uns ihre fertige Bewerbung übermittelt haben."
Anders als bei der Premiere im vergangenen Jahr gliedert sich das Bewerbungsverfahren diesmal in zwei Stufen – auch deshalb, weil es das Formular selbst erstmals ausschließlich online gibt; lediglich Unterlagen zu Aktionen und Veranstaltungen müssen noch per Post eingereicht werden.
Bevor Bewerber jedoch Zugriff auf das Formular bekommen, müssen sie sich mit ihrer E-Mail-Adresse und dem Namen der Buchhandlung auf der zentralen Plattform www.deutscher-­buchhandlungspreis.de registrieren. Oechsner schätzt, dass sich die Fragen in etwa einer Stunde beantworten lassen, allerdings dürfte das nur gelingen, wenn Buchhändler alle Daten auch zur Hand haben, um die es geht: etwa die Zahl der Veranstaltungen zur Lese- und/oder Literaturförderung in den zurückliegenden drei Jahren – und der Besucher. Mit zwei, drei Klicks ist das nicht getan, zumal auch noch tiefer gehende Informationen zum Konzept erwartet werden, darunter ein Selbstporträt, über das manche wahrscheinlich erst einmal nachdenken wollen. Die Aufgabe der Juroren: "Bitte schildern Sie das Geschäftsmodell auf einem separaten Blatt unter Nennung der Gründe, der konkret ergriffenen Maßnahmen, der Erfolgsfaktoren, der Ziele." Hier die richtigen Worte zu finden, dafür braucht man eine Weile – aber bis zum Einsendeschluss am 31. Mai ist ja auch noch Zeit.

Eine Million Euro, 108 Gewinner
Die Jury will von den Bewerbern viel wissen, und das bis ins Detail. Aber ohne geht es nicht, um aus der Menge eine Auswahl zu treffen: 614 Buchhandlungen reichten im vergangenen Jahr ihre Unterlagen ein, 108 bekamen am Ende den Preis. Diesmal dürften es aller ­Voraussicht nach sogar noch ein paar mehr werden: Monika Grütters hat, wie bei der Preisverleihung 2015 bereits zuge­sichert, die Zielgruppe des Preises noch einmal erweitert. Diesmal können auch inhabergeführte Unternehmen, die jährlich mehr als eine Million Euro umsetzen, am Rennen teilnehmen. Die Gewinner dieser Gruppe erhalten zwar kein finanzielles Lob – ihr Gütesiegel ist undotiert. Dennoch werden sie im September, wenn der Preis im Rahmen einer Gala wieder feierlich verliehen wird, genauso im Rampenlicht stehen wie alle anderen.
Auf die sieben Mitglieder der Jury kommen also arbeitsreiche Monate zu. Neu in dem Gremium ist nur die Schriftstellerin ­Jenny Erpenbeck, die für Julia Franck nachrückt. Alle anderen Jurymitglieder haben bereits Übung darin, das Engagement von Buchhandlungen zu beurteilen, Grenzen zu ziehen und Sieger zu ermitteln. Der Aufwand wird dadurch allerdings nicht sinken, denn Oechsner zufolge teilen sie sich die Arbeit nicht etwa auf, sondern schauen sich reihum jede Bewerbung en détail an: "Alle sehen alles", so laute die Regel. "Im Sommer organisieren wir für die Jury dann eine mehrtägige Sitzung, bei der die Gewinner gewählt werden", so Oechsner.
Das Ziel ist dabei klar. "Mit dem Preis erkennen wir das Engagement der Buchhändlerinnen und Buchhändler an – gerade in Zeiten, in denen die Konkurrenz durch Onlinebuchhandlungen viele von ihnen in Existenznot bringt", erklärt Initiatorin Monika Grütters in ihrem Grußwort. Und betont: Sie freue sich, den Deutschen Buchhandlungspreis auch 2016 wieder zu vergeben, an Literaturliebhaber, die in Büchern viel mehr sehen würden als Konsum- und Handelsprodukte. Mehr denn je brauche es daher belesene Buchhändler, die Orientierung geben könnten und Jung wie Alt Lust aufs Lesen machten. Grütters: "Es sind vor allem die kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen vor Ort, die uns Werke abseits der Bestsellerlisten nahebringen. Für den Erhalt des Kulturguts Buch sind inhabergeführte Buchhandlungen als geistige Tankstellen unserer Nation unverzichtbar."

Gleich und gleich
Entscheidend für Grütters ist aber noch ein weiteres Argument: Von Anfang an war es ihr Anliegen, mit dem Deutschen Buchhandlungspreis zugleich auch etwas für die unabhängigen Verlage zu tun – für die also, die den Kraftstoff für die Tankstellen liefern. Der Preis solle, so heißt es in den Fördergrundsätzen des Kulturstaatsministeriums wörtlich, die Existenzgrundlage unabhängiger Verlage stärken. Die Independents seien "auf einen vielfältigen und unabhängigen stationären Buchhandel als wichtigen Absatzmarkt angewiesen".
Nachgefragt bei Britta Jürgs, Aviva-Verlegerin, seit gut einem Jahr Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung und in dieser Funk­tion auch Partnerin des Preises, scheint das auch zu klappen. "Der schon vorher vorhandene Kontakt zwischen unabhängigen Verlagen und unabhängigen Buchhandlungen wurde durch den Deutschen Buchhandlungspreis weiter intensiviert", berichtet sie. Er habe dazu geführt, dass die Aufmerksamkeit für Independent-Verlage und deren Programme wachse. Was Jürgs im Rückblick auf den ersten Durchgang jedoch besonders freut: Insbesondere für die 108 ausgezeichneten Buchhandlungen hätten sich Freiräume eröffnet, um sich auch programmatisch stärker zu profilieren: "Das wird uns unabhängigen Verlagen zugutekommen." Summa summarum zeige sich: "Unabhängige Buchhandlungen sind unsere natürlichen Verbündeten."
Für die Gewinner des Jahres 2015 stehen zunächst jedoch vor allem ihre Kunden im Mittelpunkt. Dabei blieb das mediale Echo, das der Preis 2015 auslöste, nicht ohne Wirkung. Alexan­der Oechsner erinnert sich noch daran, wie der Berg an Presseveröffentlichungen auf seinem Schreibtisch von Tag zu Tag immer höher wurde. "Am Ende war die Mappe ungefähr drei Zentimenter dick", erzählt er, "wir waren beeindruckt davon, wie viele Journalisten, auch lokale, den Preis wahrgenommen und berichtet haben." Der Preis im monetären Sinn sei ja nur das eine. "Für uns ist es wichtig, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Buchbranche zu schaffen."

Die Bilanz, die der Börsenverein – neben der Kurt Wolff Stiftung ebenfalls Partner der Auszeichnung – nach dem ersten Durchgang zieht, ist ähnlich positiv. "Der Deutsche Buchhandlungspreis hat in seinem ersten Jahr große Resonanz im Buchhandel gefunden und viel öffentliche Aufmerksamkeit erreicht", betont Kyra Dreher, Geschäftsführerin im Sortimenter-Ausschuss. Im Verband schätze man es sehr, dass Kulturstaatsminis­terin Monika Grütters mit dem Preis das Engagement des unabhängigen Buchhandels für die kulturelle Qualität und Vielfalt honoriere. "Es freut uns besonders, dass nun auch größere unabhängige Buchhandlungen teilnehmen und sich für ein undotiertes Gütesiegel bewerben können."

Ein Schub für den Umsatz

Wie lebendig es in der Praxis zugeht und wie gut die Auszeichnung ankommt, berichten Gewinner des Vorjahres. Der Bonus an Aufmerksamkeit für diejenigen, die das Rad der Branche so schwungvoll in Gang halten, hat dem unabhängigen Sortiment aus­gesprochen gutgetan, zum Beispiel der Friedrich-Wagner-Buchhandlung in ­Ueckermünde: "Der Deutsche Buchhandlungspreis hat eine große, anhaltende Wirkung", erklärt Inhaber Holger Brandstädt.
Seine Buchhandlung wurde 2015 in der Kategeorie "hervor­ragende Buchhandlung" ausgezeichnet. "Mit den 7?000 Euro Preisgeld haben wir unter anderem unsere Lichtanlage auf LED umgestellt und die Rückwände unserer Schaufenster erneuert", freut er sich. Mindestens so wichtig wie das Preisgeld sei aber die durch die Auszeichnung entstandene Öffentlichkeit gewesen, ein werbewirksamer Schub, den man aktiv nutzen sollte, rät Brandstädt: Er habe seine Pressearbeit verstärkt und damit auch Erfolg gehabt. "Die Zahlen für 2015 sehen sehr gut aus – und unsere Motivation hat durch die Wertschätzung weiteren Auftrieb bekommen."
Auch in diesem Jahr bewirbt er sich für den Deutschen Buchhandlungspreis, in erster Linie drückt der Buchhändler aber den Kollegen die Daumen. "Es gibt einige mit ganz tollen Konzepten, die eine Nominierung verdient hätten." In seine Bewerbung habe er nicht viel Zeit investiert. "Ich wollte keine Antragslyrik schreiben." Kollegen, die sich erstmals um die Ehrung bewerben, empfiehlt er: "Überlegt euch gut, was euch einzigartig macht."

Die mit der höchsten Dotierung ausgezeichneten "besten Buchhandlungen" Rote Zora (Merzig) und Literatur Moths (München) haben eines gemeinsam: In ihre Bewerbung haben die Buchhändlerinnen viel Zeit und Esprit gesteckt. "Ich habe eine Woche an der Bewerbung gesessen, das war meine Urlaubswoche. Und ich bin mir ziemlich sicher: Die, die weniger Zeit investiert haben, kamen nicht so weit wie wir", meint Ingrid Röder von der ­Buchhandlung Rote Zora in Merzig. Die Anerkennung und das Preisgeld von 25?000 Euro haben die Mühe aufgewogen. "Der Preis wird sehr gut vermarktet – und auch wir werben damit. Wir werden jetzt noch darauf angesprochen, es kommen neue Kunden zu uns, sogar aus der entfernteren Umgebung, aus Saarbrücken oder Trier."
Das Preisgeld investierte sie unter anderem in das Programm, in literarische Nachtcafés und Aktionen, aber auch in die Innendekoration. Nur einen Wermutstropfen habe es im Zusammenhang mit der Auszeichnung zur "besten Buchhandlung" gegeben, sagt Röder. "Es gab schon Knatsch untereinander, Kollegen, die nicht gratuliert haben, auch wenn viele Buchhandlungen sich mit uns gefreut und gefeiert haben." Noch einmal bewirbt sie sich in diesem Jahr allerdings nicht – "jetzt sollen mal andere ran".

Die Kunden sind stolz
Das handhabt Regina Moths, Inhaberin der Münchner Buchhandlung Literatur Moths, genauso. Neben der Freude über die Anerkennung und das Preisgeld habe sie rückblickend insbesondere der Stolz ihrer Kunden gerührt. "Sie kommen noch immer, gratulieren uns und sagen: Wir wussten schon immer, wie gut Sie sind." Durch die Auszeichnung fühle sie sich für die Zukunft in die Pflicht genommen. "Wir werden ­weiterhin sehr aktiv sein." Das Preisgeld hat ­Moths noch nicht ausgegeben, erst müsse sie abschließend klären, ob und wie es versteuert werden muss. Dann aber gibt es jede Menge Ideen zur Verwendung, von Veranstaltungen bis zum ­Internetauftritt. Der Börsenverein geht derzeit übrigens davon aus, dass das Preisgeld zu versteuern ist – empfiehlt den prämierten Buchhandlungen aber unbedingt, diese Frage individuell mit dem jeweiligen Finanzamt vor Ort zu klären.
Sarah Reul vom Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau ­(Kategorie: herausragende Buchhandlung; Preisgeld: 15?000 Euro) erinnert sich besonders gern an die Preisverleihung in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. "Die Spannung war groß, die Laudationes waren sehr schön. Außerdem empfand ich es als große Freude, so viele nette Kollegen persönlich kennenzulernen", sagt Reul. Der Preis sei als wichtiges politisches Signal zur Unterstützung und Wertschätzung der geleisteten Kulturarbeit sehr willkommen. Last but not least noch eine Bilanz aus Potsdam: Felix Palent, Mitarbeiter von Wist – Der Literaturladen, freut sich über anhaltendes Feedback seiner Kunden. "Wir sind überrascht, wie viele Menschen bis heute kommen, um uns zu gratulieren", berichtet er. Mit den 15?000 Euro Preisgeld seien ­Löcher gestopft und beherzt ein tolles Frühjahrs-Veranstaltungsprogramm zusammengestellt worden. 2016 werde man sich ­wieder bewerben. Palent: "Man verbietet ja auch dem FC Bayern nicht, jedes Jahr wieder Meister zu werden."

Deutscher Buchhandlungspreis 2016: Eckdaten zum Wettbewerb

Mit dem Preis zeichnet die Kulturstaatsministerin Monika Grütters besondere Leistungen in vier Bereichen aus:

kulturelles Veranstaltungsprogramm,
Engagement bei der Lese- und/oder
Literaturförderung,
literarisches Sortiment,
innovatives Geschäftsmodell
Zielgruppe und Partner

Der Preis richtet sich an Buchhandlungen, deren Jahresumsatz unter einer Million Euro liegt. Oberhalb dieser Umsatzmarke können sich Unternehmen um ein undotiertes Gütesiegel bewerben. Partner des Preises sind die Kurt Wolff Stiftung und der Börsenverein

Die Jury

Die Jury wird von Kulturstaatsministerin
Monika Grütters berufen. Diesmal sind dabei:

Iris Radisch (Ressortleiterin Feuilleton "Die Zeit", Vorsitzende)
Kyra Dreher (Börsenverein),
Jenny Erpenbeck (Schriftstellerin),
Hans Frieden (Verlagsvertreter),
Tim Hofmann (Student der Literaturwissenschaft),
Jochen Mende (Prolit),
Manfred Metzner (Verlag Das Wunderhorn).
Die Kategorien

Gütesiegel gibt es in drei Kategorien, verbunden mit einer Prämie in Höhe von
je 7?000 Euro für bis zu 100 Sortimente;
je 15?000 Euro für bis zu fünf Buchhandlungen, die aus dem Kreis der ­Nominierten besonders herausragen;
je 25?000 Euro für die drei besten unter den Nominierten.
Erstmals wird 2016 zudem ein undotiertes Gütesiegel an bis zu zehn Buchhandlungen vergeben, die jährlich mehr als eine Million Euro umsetzen.

Die Bewerbung

Deadline für die Bewerbung: 31. Mai 2016. Wer gewinnt, soll im August fest­stehen; die Verleihung ist für September geplant.

Quelle: Börsenblatt online

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